Tierhaltung und Klimawandel

Klimawandel ist übel. Die Bedürfnisse von Tieren zu ignorieren auch. Und dass beides sogar miteinander zu tun hat, will erstmal verdaut werden. Hier ein paar ballaststoffreiche Infos dazu.

Laut UNO werden 18% des Klimawandels durch Tierhaltung verursacht.

Im Dezember 2006 hat die UN Food and Agriculture Organization (FAO) mit dieser Zahl weltweit für Aufsehen gesorgt. Klingt simpel, ist simpel - aber die Details dahinter sind ebenso spannend wie komplex. Unter dem Titel "Livestock's long shadow" [1] hat die FAO die ökologischen Auswirkungen der weltweiten Tierhaltung untersucht. Neben dem Klima geht es dabei auch um die Verschmutzung von Boden, Wasser und Luft und um den Verlust von Urwäldern und Biodiversität. Schon die Zusammenfassung [2] liefert eine Fülle von Fakten und einen ausgezeichneten Überblick über das Thema. Hinter den erschreckend hohen 18 Prozent stecken zu etwa gleichen Teilen die Treibhausgase CO2, Methan (CH4) und Lachgas (N2O). [3]

  • CO2 wird vor allem durch die immense Brandrodung und Abholzung von Urwald für Futteranbau- und Weideflächen freigesetzt.
  • Methan entsteht besonders bei der Verdauung von Wiederkäuern (Rindern, Ziegen und Schafen), sowie in geringerem Ausmaß bei der Verdauung anderer "Nutztiere" und beim Düngen mit tierlichen Exkrementen.
  • Lachgas entweicht zum größten Teil bei der Düngung mit tierlichen Exkrementen. Einen kleineren Anteil trägt auch Mineraldünger bei, der zum Anbau von Futterpflanzen verwendet wird.

Du fragst Dich, ob es für das Klima besser aussähe, wenn wir statt Tierkram mehr Pflanzen äßen, die ja schließlich auch ökologische Auswirkungen haben? Dann hier klicken.

Die globale Landwirtschaft ist ein ausgesprochen vielschichtiges System. Klimarelevante Aspekte unterscheiden sich sehr stark nach Region und Anbauart. Weltweite Stoffströme verknüpfen Kontinente miteinander in Ursache und Wirkung. So stirbt der brasilianische Regenwald beispielsweise für gentechnisch verändertes Sojaschrot, mit dem deutsche Rinder gefüttert werden, und BäuerInnen in Westeuropa wiederum wissen nicht mehr, wohin mit den Unmengen tierlicher Exkremente.

Nicht mal der weltweite Verkehr bringt so viel auf die Klimawaage wie die Tierhaltung.

Diese Feststellung findet sich ebenfalls in der FAO Studie "Livestock's long shadow" [4]. Laut IPCC liegt der Anteil des weltweiten Transports am Klimawandel bei 13 Prozent.

Für Politik und Medien ist das noch eine unbequeme Wahrheit.

Als Klimainteressierte_r* weißt Du, wie wichtig es ist, dass die Medien das Thema Klima endlich mehr in den Fokus nehmen. Sogar die Regierung kommt mittlerweile nicht mehr umhin, zumindest so zu tun, als wäre ihr das Problem ein Anliegen. Bislang sind vor allem die beiden Sektoren Energie und Verkehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Der große Bereich Landwirtschaft und der darin klimarelevanteste Teil Tierhaltung werden hingegen immer noch kaum beachtet. Wusstest Du, dass eine moderne Industrie-Kuh im Schnitt so viel zum Klimawandel beiträgt wie ein Kleinwagen? Und welche anderen ökologischen Auswirkungen ein Rumpsteak auf dem Teller hat? Wir wussten es bis vor wenigen Jahren selbst nicht. Als politisch denkende Menschen vertrauen wir mehr auf die Macht politischen Drucks als auf individuelle Schuldzuweisungen. Hafermilch aus dem Bioladen ist eine feine Sache, aber wichtiger ist, dass Politik und Wirtschaft keine andere Wahl mehr haben, als sich dieses Themas anzunehmen. Und das lässt sich, wie so oft, nur über Weitersagen, Diskutieren und sich Zusammentun erreichen. Und dann eben auch über Medien, über Leserbriefe und über unbequeme Fragen an Politiker_innen.

Würde ein Ende der Tierwirtschaft sonst noch irgendwas bringen?

Außer, dass es Klima und Tieren besser ginge? Aber hallo! Hier eine Auswahl:

  • Regenwaldrodung: 70% des abgeholzten Amazonaswaldes werden für Weiden verwendet, und der Futtermittelanbau belegt einen großen Teil der restlichen 30%. Die Tierwirtschaft ist damit die Hauptursache für die Waldrodung im Amazonas.[4]
  • Luftverschmutzung: 64% des weltweiten Ammoniumausstoßes gehen zulasten der Tierwirtschaft. Dies fördert den sauren Regen und die Übersäuerung von Ökosystemen.[2]
  • Wasser: Auf die "Nutztierhaltung" entfallen über 8% des globalen menschlichen Wasserverbrauchs, hauptsächlich für den Anbau von Futterpflanzen. Darüberhinaus ist die Tierhaltung wahrscheinlich der größte wasserverschmutzende Sektor.[2] Wegen (auch durch den Klimawandel bedingter) stark zunehmender Wasserknappheit in einigen Weltregionen wird Tierhaltung in diesem Jahrhundert damit auch zu gewalttätigen Konflikten um Wasser beitragen.
  • Artenvielfalt: Die 30 Prozent der Erdoberfläche, die heute weitgehend monokulturell für Tierhaltung genutzt werden, waren früher Lebensraum für zahllose Tier- und Pflanzenarten. Auch durch Waldrodung, Verschmutzung, Überfischung und andere Faktoren gehört die Tierwirtschaft zu den führenden Ursachen von Artenverlust.[2]
  • Hunger: siehe unsere extra Seite zu Welthunger

Und was soll ich jetzt mit diesen ganzen Infos?

Och, erstmal sacken lassen. Anzweifeln, recherchieren, einlesen. Bekannten erzählen, gemeinsam Fragen stellen, nachdenklich werden. Sowas halt. Und danach immer mal wieder dran denken. Bei der Bundestagswahl, vor der Kühltheke, in gemütlicher Plauderrunde. Oder wenn Deine Fußgängerzone mal wieder einen Infotisch vertragen könnte. Oder Dein Gemeindehaus eine Podiumsdiskussion. Oder Deine Zeitung einen Leserbrief. Ein politischer Mensch sein eben. Wegen der Gerechtigkeit, und der Sache mit der dauerhaft schönen Welt für alle.

 

Quellenangaben und Links: